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Gemeindechronik von Weppersdorf

Von der Mitte des 19. Jhdts. bis zum 2. Weltkrieg

Laut den statistischen Daten aus dem Jahre 1852, die zur "historischen, geographischen neuesten Staatsbeschreibung Ungarns" angegeben wurden, zählte damals die Gemeinde Weppersdorf schon 857 Bewohner. Von den 846 deutschen Einwohnern bekannten sich 11 zur jüdischen, 340 zur römisch-katholischen und 506 zur evangelischen Glaubensgemeinschaft. Damals - um 1860 - war Weppersdorf ungefähr so groß wie der heutige Ortskern. Die allmähliche Erweiterung des Dorfes begann aber schon um 1840 mit der Errichtung der "Curialhäuser" in der Berggasse". Danach erfolgte langsam die Ausweitung des verbauten Gebietes nach Osten bzw. Südosten.

Auch die Industrialisierung des 19. Jahrhunderts hinterließ in Weppersdorf mehrere Spuren. So waren auch Weppersdorfer an den technischen Errungenschaften der Habsburger-Monarchie beteiligt. Diese Weppersdorfer kann man eigentlich als die ersten "Pendler" bezeichnen. 1854, im Jahre der Fertigstellung der Semmeringbahn, steht Sonnleitner Paul aus Weppersdorf beim "k.k. Staatseisenbahnbau über den Semmering" noch in Arbeit. Seine Reiseurkunde ist erloschen. Daher sucht der Bürgermeister von Schottwien/Semmering beim "löblichen k.k. Komitats-Vorstand in Ödenburg" um die Ausstellung eines neuen Reisepasses "diensthöflich" an. Auch von Franz Tremmel erfahren wir, dass er im Jahr 1853 bei der Donaudampfschiffahrts-Gesellschaft beschäftigt war. Er fuhr als "Feuermann" (Heizer) auf dem Dampfschiff "Kolowrat", das zwischen Linz und Orsova (Rumänien) verkehrte.

In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde an verschiedenen Stellen des heutigen mittleren Burgenlandes nach Braunkohle geschürft (Helenenschacht bei Ritzing!). Auch Weppersdorf hatte dafür von der k.k. Berghauptmannschaft zu Ofen (Budapest) die Schürfbewilligung erwirkt, die aber im Juni 1857 erlosch. Im Jahre 1860 wird daher die Gemeinde vom Stuhlrichteramt in Ödenburg aufgefordert, binnen 8 Tagen "die Äußerung abzugeben, ob die Gemeinde eine neuerliche Schürfbewilligung zu erwirken gesonnen ist". Die Antwort der Gemeinde Weppersdorf lautet auf diese Aufforderung unter Zahl 431 folgendermaßen:

"Löbliches k.k. Stuhlrichteramt!" "Die Gemeinde hat einstimmig beschlossen, von der löblichen k.k. Berghauptmannschaft in Ofen eine neuerliche Schürfbewilligung zu erwirken, was der Gemeindevorstand zufolge löblichen Auftrages vom 29. vorigen Monats Z. 2716 ergebenst anzeigt."

Zu dieser Zeit begannen auch ernsthafte Überlegungen, den gesamten westungarischen Raum verkehrstechnisch zu verbinden. Vor allem die Verbindungen zwischen den Komitatshauptstädten wurden besonders gefördert. Im Jahre 1836 lagen erste Pläne für den Bau einer Eisenbahnstrecke zwischen Ödenburg (Sopron) und Güns (Köszeg) vor. Sie sollte von Ödenburg und seinen Vororten über mehrere Ortschaften im heutigen Mittelburgenland, darunter auch Lackenbach und Weppersdorf, bis nach Güns führen. 1908 war die Strecke weitgehend fertiggestellt, da passierte ein schreckliches Eisenbahnunglück in der Nähe des Bahnhofes von Weppersdorf.

Dieses Zugsunglück am Samstagvormittag des 19. September zwischen Weppersdorf und Lackenbach forderte 3 Menschenleben und 4 Verletzte. Dieser Unfall hatte gehörige Aufregung, vor allem in den Zeitungen, verursacht. Der "Günser Anzeiger" rügte auf das Schärfste, dass die Bauleitung seit längerer Zeit mit fieberhafter Eile an der Fertigstellung der Eisenbahnstrecke arbeiten ließ. Schließlich wurde die Bahn zwischen Ödenburg und Güns im November 1908 ohne Zwischenfälle feierlich eröffnet. Die Bahn hatte noch für längere Zeit wirtschaftliche Bedeutung. Sie blieb bis in die 70er-Jahre hinein eine wichtige Verkehrsverbindung. Mit dem Aufkommen von Bus und privaten PKWs verödeten zusehens die alten Eisenbahnstrecken und Bahnhofsanlagen. Der Bahnhof in Weppersdorf wurde aufgelassen und später dann auch dem Erdboden gleichgemacht. Das neben dem Bahnhof befindliche Gasthaus wurde schon viel früher abgerissen.

Der 1. Weltkrieg brachte für Weppersdorf Not und Elend, da viele Bewohner in den Krieg ziehen mussten und nicht mehr lebend zurückkehrten.

Im Jahre 1921 kam das Burgenland in der Folge dieses Krieges als eigenständiges Bundesland zur Republik "Deutsch-Österreich". Es war vor allem für unsere Gegend ein besonderer Rückschlag, dass die "heimliche" Hauptstadt des Burgenlandes, nämlich Ödenburg (Sopron), durch eine mehr als fragwürdige Volksabstimmung an Ungarn verloren ging. Im Zuge des Anschlusses des Burgenlandes an Österreich gab es sicherlich auch in unserer Gegend (Kirchschlag!) vereinzelte Kampfhandlungen zwischen ungarischen Freischärlern und dem regulären österreichischen Bundesheer.

Am 20. Mai 1923 wurde unter großer Anteilnahme der Bevölkerung für die im Weltkrieg (1914-18) Gefallenen und Vermissten am südlichen Ortsausgang von Weppersdorf ein Denkmal enthüllt.

 
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