Bäuerliches Kunsthandwerk

    Eng mit der bäuerlichen Lebensform verknüpft waren in vergangenen Jahrhunderten familiäres Handwerk und Hausgewerbe. Die Dorfbewohner erzeugten insbesondere in den Wintermonaten, in denen die Feldarbeit ruhte, Holzrechen, Heugabeln und Getreideschaufeln aus Holz, mit Stroh eingeflochtene Sessel, strohgeflochtene Einkaufstaschen, Besen aus Birkenzweigen, Weidenkörbe oder Buckelkörbe, mit denen insbesondere die Frauen Feldfrüchte auf dem Rücken nach Hause trugen. Als einfaches, ebenfalls selbst hergestelltes „Universalgerät“ zum Einspannen des zu bearbeitenden Holzes gab es in den meisten Häusern eine „Hoanzlbank“.

    Einflechten Strohsessel

    Einflechten Strohsessel

    Körbe flechten u. Besen binden

    Körbe flechten u. Besen binden

    „Hoanzlbank“

    „Hoanzlbank“

    Tschurndorf war besonders bekannt für die Erzeugung seiner Holzsessel mit kunstvoller Stroheinflechtung.

    Ein hölzerner Esstisch mit sechs Stühlen, von denen zwei gewebte Sitze haben, steht auf einem gefliesten Boden.

    Diese sogenannten Pfostenstühle wurden aus Buchen- oder Kirschenholz angefertigt. Dazu wurden die Teile grob zugeschnitten und dann auf der „Hoanzlbank“ mit dem Reifmesser weiterbearbeitet. Die einzelnen Teile wurden anschließend mit Holzzapfen zusammengesteckt. Die Lehnen hatten meist drei geschnitzte Sprießel, teilweise mit Ritzverzierungen. Die Sitzflächen dieser Holzsessel wurden dann mit verschiedenen kunstvollen Mustern aus „Kukuruzstroh“ (Maisstroh) eingeflochten:

    Ein Nahaufnahme von einem gewebten Stoff mit einem Chevron-Muster. Der Stoff besteht aus hellen Fasern, möglicherweise Stroh oder Bambus.
    Ein Nahaufnahme von einem beigefarbenen gewebten Stoff mit einem engen Webmuster. Die Textur ist glatt und die Fasern sind eng verpackt.
    Nahaufnahme eines gewebten Materials mit einem Fischgrätmuster. Die Textur ist komplex und das Gewebe ist eng.
    Eine Nahaufnahme eines gewebten Stoffes mit einem Zickzackmuster. Die Textur ist komplex und das Gewebe ist eng, was ihm ein glattes Aussehen verleiht.

    Sessel für den alltäglichen Gebrauch in Arbeitskleidung wurden häufig auch mit dem gröberen „Troadstroh“ (Roggenstroh) aus der Getreideernte eingeflochten.

    Eine Person, die einen Stapel Stühle auf dem Rücken trägt.

    Wie nebenstehendes Bild zeigt, wurden die Holzsessel und auch andere handwerkliche Erzeugnisse für die täglichen Arbeiten am Hof oder auf den Wiesen und Feldern nicht nur für den Eigenbedarf gefertigt, sondern auch auf dem Rücken in oft weit entfernte Dörfer oder in die Komitatsstadt Ödenburg getragen und verkauft. Damit wurde ein kleines Zusatzeinkommen erzielt.

    Diese in Tschurndorf so bezeichnete „Hausindustrie“ blühte besonders in der großen wirtschaftlichen Not der Zwischenkriegszeit vom Ende der 1920er bis Mitte der 1930er-Jahre. Das bäuerliche Kunsthandwerk zur Erzeugung von Sesseln oder die Erzeugung von Rechen, Heugabeln, das Korbflechten aus Weidenruten oder das Besenbinden aus Birkenzweigen hat sich erfreulicherweise zumindest ansatzweise bis in die Gegenwart erhalten.