Kartenausschnitt aus dem Jahr 1864
Wie der nebenstehende Kartenausschnitt aus dem Jahr 1864 zeigt, war Tschurndorf, im Gegensatz zu vielen anderen Dörfern der Umgebung, als einseitiges Straßendorf angelegt. Die Hauptstraße verläuft erhöht und parallel zum Sieggrabenbach von Nord nach Süd. Nur einige wenige Häuser und die beiden Mühlen am südlichen und nördlichen Ortsende lagen damals auf der gegenüberliegenden Seite.
Im Jahr 1872 verkaufte die Gemeinde sechs Hausplätze im Bereich der noch vorhandenen Baulücke in der oberen Hauptstraße und beginnenden heutigen Brunnenstraße.
Die Bauform der Häuser war und ist von der Parzellenbreite abhängig. Die für viele burgenländische Ortskerne typischen schmalen und langen Hausparzellen zwangen seit Jahrhunderten zur Verbauung entlang der Längsrichtung durch Streckhöfe auf nur einer Hofseite. Die Häuser waren Giebel an Giebel längs der Straße aufgereiht, alle ähnlich, aber im Detail doch verschieden. Diese Architektur mit ihren harmonischen Proportionen war unter den früheren Gegebenheiten und Möglichkeiten zweckmäßig und über Jahrhunderte gewachsen.
Als Baumaterialien verwendete man früher das, was in der Umgebung zur Verfügung stand. Im Fall von Tschurndorf waren dies Holz, das bis zum Revolutionsjahr 1848 vom Grundherrn kostenlos für den Hausbau zur Verfügung gestellt wurde, weiters Lehm, worauf noch heute die Riedbezeichnung „Luamgruib“ hinweist, Kalksteine, die im örtlichen „Steinbruch“ oder im herrschaftlichen Wald gebrochen wurden, sowie Roggenstroh für die Dachdeckung.
Die Steinwände wurden mit einem Lehmbrei gemauert und damit auch verputzt. Die letzten Strohdächer wurden aufgrund der extremen Brandgefahr zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch Ziegeldächer ersetzt.
An die straßenseitige vordere Stube mit ihren zwei Fenstern schloss die Küche mit dem direkten Hauseingang an. Von der Küche ging man sowohl in die vordere als auch in die hintere Stube, an die meist eine Futterkammer sowie der Stall für die Rinder und eventuell Pferde anschlossen. Gegenüber stand meist frei der hölzerne Schweinestall neben dem Misthaufen und dem ebenfalls hölzernen Klosetthäuschen.
Die Wohnverhältnisse waren beengt, da mehrere Generationen im Haus wohnten. Außerdem gab es in der Regel viele Kinder, da diese von frühester Jugend an als Arbeitskräfte in der Landwirtschaft benötigt wurden und eine gewisse Altersversorgung bedeuteten. Es war daher durchaus üblich, dass sich mehrere Kinder ein Bett teilen mussten oder in einer „Bettlade“, die am Abend unter einem Bett hervorgezogen wurde, schliefen.
Mit Brennholz musste sparsam umgegangen werden, sodass in den Zimmern im Winter erst am frühen Abend eingeheizt wurde. Als Ergänzung wurde ein aufgewärmter Ziegelstein auf den als Matratze dienenden Strohsack unter die Tuchent gelegt.
Zentraler Wohnraum war die Küche. In der ursprünglichen „Rauchkuchl“ mit integriertem Backofen wurde in irdenen oder eisernen Dreifußschüsseln auf offenem Feuer bzw. über der Glut gekocht. Diese brandgefährdeten und gesundheitsschädlichen, rußgeschwärzten Rauchküchen wurden Anfang des 20. Jahrhunderts aufgrund strengerer Feuerschutzbestimmungen schrittweise durch gemauerte Herde abgelöst.
Statt freistehender Kredenzen waren häufig hölzerne Nischenregale zur Aufbewahrung des Geschirrs in die dicken Steinmauern eingebaut. Ein Holzstockerl mit versenkter Waschschüssel aus emailliertem Blech und eine Holzbank, auf der zwei gefüllte Wasserkübel zum Kochen und Waschen standen, ergänzten die Kücheneinrichtung.